EHC Arosa
Seit 1924
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NEWS

Spielbericht EHC Arosa 5:3 EHC Wetzikon

5 : 3
1:2 3:1 1:0

Do 14.03.19 | 20:00

Sport- und Kongresszentrum Arosa

1570 Zuschauer

Link Game Center Swiss Ice Hockey

Wenn der Kessel explodiert

Es ist eine magische Nacht in Arosa. Fast 1'600 Zuschauer erleben atemlose Stunden und sind Zeugen, wie der EHC Arosa das vierte Playoff-Finalspiel gegen Titelverteidiger Wetzikon auf begeisternde Art 5:3 und damit die Serie 3:1 gewinnt. Die Aroser sind Ostschweizer Meister und steigen in die MySports League auf.


Und plötzlich schnappt sich unsere #10 die Scheibe. Jann Däscher startet von der Mittellinie aus und führt den Puck mit einer filigranen Art, wie normalerweise nur die erste Geigerin vom Kammerorchester Wien ihren Stock streichelt. Der Junge mit dem Engelsgesicht hat noch die Nerven, nach hinten zu schauen - weit und breit ist allerdings kein Wetziker in Sicht. Und dann hängt dieses Schlitzohr Däscher den Puck in den linken oberen "Kranz" rauf, wie es sonst nur andere Nummer 10 in der Sportwelt fabrizierten: Maradona, Ronaldinho, Pelé und wie sie alle heissen.


Dieses Tor zum 4:3 ist das Tor zum Himmel im vierten Playoff-Finalmatch. Es die perfekte Antwort auf Wetzikons eben zuvor erzielten Ausgleichstreffer. Däscher versetzt mit seinem Geniestreich die Zuschauer in Ekstase. Der Kessel explodiert. Was da los ist, lässt einem die Freudentränen in die Augen schiessen. Es ist so schön, was abgeht, einfach genial.


Bis der Sieg allerdings eingetütet ist, müssen die Aroser lange durchhalten. Zu diesem Zeitpunkt ist erst etwas mehr als die Hälfte des Spiels absolviert und das Match steht auf Messers Schneide. Der EHC Wetzikon kämpft brillant und bringt die Aroser mit seiner spielerischen Klasse immer wieder in Schwierigkeiten. In diese geraten die Schanfigger aber vor allem schon im ersten Drittel. Wohl nervös ab den fast 1'600 Zuschauern, die wiederum neuen Saisonrekord bedeuten und der Aussicht, die Serie zu entscheiden, spielt die Mannschaft unheimlich fahrig und sehr fehlerhaft.


Auch das frühe Führungstor zum 1:0 von Loris Weber entspannt die Mannschaft nicht. Die Spieler bringen in den ersten 20 Minuten kaum einen Schlittschuh vor den anderen und geraten prompt durch zwei Weitschusstore in Rückstand. So wie die Mannschaft über die letzten Monate allerdings gereift ist und die Trainer Haueter und Manojlovic es verstehen, an den richtigen Rädern zu drehen, ist die Zuversicht allerdings auch zur ersten Drittelspause uneingeschränkt, dass die Mannschaft von nun an motoren wird.


Und wie sie motort. Pepe Bigliel und Patrick Bandiera machen innerhalb von 30 Sekunden aus dem 1:2 ein 3:2 und versetzen dem Gegner einen heftigen Nackenschlag. Auch Veselys Ausgleich kann dem EHC Arosa nichts mehr anhaben, schliesslich haben die Schanfigger ja eine magistrale #10.

Den i-Punkt setzt Flavio Cola im letzten Drittel. Mit seinem Treffer zum 5:3 ist das Match und die Serie entschieden. Ausgerechnet Cola, der so lange, so schwer verletzt und dem Karriereende wesentlich näher war als dem Meistertitel. Die Geschichte von Flavio Cola hat schon fast märchenhafte Züge - nicht so wie die jenes "Irren", der bereits drei Sekunden vor Ablauf der Spielzeit mit Kamera in der Hand aufs Eis stürmt, um die historischen Momente festzuhalten. Schiedsrichter Baumann bittet den Eindringlich dann nochmals vom Eis, so dass das Match ordnungsgemäss doch noch abgespult werden kann.

Und dann ist der Moment da. "Aus, aus, aus, das Spiel ist aus", würde Herbert Zimmermann, der das legendäre WM-Finalspiel 1954 in Bern zwischen Deutschland und Ungarn kommentierte, ins Mikrofon schreien. Der EHC Arosa gewinnt und es brechen alle Dämme. Unfassbar schöne Emotionen branden durchs volle Stadion. Der Tempel am Obersee ist eine Festhütte pur. Der EHC Arosa bewegt die Massen - und das in der vierthöchsten Spielklasse. Glücksgefühle, einfach nur Glücksgefühle und Dankbarkeit.

Losgelöst von jeglichen Sinnen warten die Spieler auf dem Eis auf ihren verdienten Pokal. Nur: Es gibt keinen Pokal - was allerdings niemand weiss oder mitbekommen hat. Es ist der Wehrmutstropfen an einem einmalig schönen Abend, auf den der EHC Arosa viele Jahre hat warten müssen. Da wirst Du Meister und es gibt kein Pokal? Die Spieler stehen einen Moment lang wie begossene Pudel da und verstehen die Welt nicht mehr. Schnell aber schwappt die leise Enttäuschung wieder in grenzenlose Freude über. Es ist der Beginn einer langen, sehr langen Nacht.

An dieser Stelle dankt der EHC Arosa dem EHC Wetzikon ganz herzlich für die so tolle und vor allem ausserordentlich faire Finalserie. Vor allem schätzen wir es sehr, wie sich die Wetziker in ihrer Berichterstattung nach der Finalniederlage äussern. Danke! Ein dickes Merci auch den tollen Fans, die sich immer vorbildlich verhalten und stark zu dieser attraktiven Serie beigetragen haben. 


Hopp Arosa!

Die Aroser kurz vor SpielbeginnWelch' Begeisterung schon vor dem Spiel.Die voll besetzte HaupttribüneGoooal, EHC Arosa! Unmittelbar nach Matchschluss Die Aroser feiern! Der Nachwuchs ist nicht mehr zu halten. Im Stübli rumpelt es nach dem Spiel.
EHC Arosa - EHC Wetzikon 5:3 (1:2, 3:1, 1:0)

Sport- und Kongresszentrum, Arosa, 1'570 Zuschauer, Schiedsrichter Baumann; Remund, Hollenstein


Tore: 3. Weber (Roffler, Däscher) 1:0, 7. Hürlimann (PP, Eggimann, Vesely) 1:1, 19. Vesely (PP, Laimbacher, Hürlimann) 1:2, 22. Bigliel (Bandiera, Pfranger) 2:2, 23. Bandiera (Cola, Bigliel) 3:2, 32. Vesely (Marzan) 3:3, 33. Däscher 4:3, 52. Cola (Bruderer, Roner) 5:3


Strafen EHC Arosa: 10x2 Minuten Strafen EHC Wetzikon: 8x2 Minuten + 1x10 Minuten (Hürlimann, unsportliches Verhalten)


EHC Arosa: Witschi; Agha, Hostettler, Hoffmann, Klopfer, Dünser, Salerno, Carevic, Bossi, Bruderer, Roner, Tosio, Jeyabalan, Amstutz, Pfranger, Bandiera, Bigliel, Cola, Däscher, Weber, Roffler


EHC Wetzikon: Peter; Nic,. Marzan, Luchsinger, Hofer, Zuber, Schaub, Rötlisberger,Wittwer, Schneider,  Rüedi, Schenk, Beer, Eggimann, Laimbacher, Vesely, Hürlimann, Buchmüller, Pons, Kräutli, Nin. Marzan, Bader


Bemerkungen: EHC Arosa ohne Gruber (Saisonende), Steiner und Allegri (beide überzählig)

Playoff-Final, 4. Runde:
EHC AROSA (2.) - EHC WETZIKON (1.) 5:3 (3:1)